Gemeindekriterien
Gemeinschaft und Gemeinde sind zwei unterschiedliche Begriffe.
Es gibt viele Christen, die eine Arbeits-, Interessen-, Missions- oder Gottesdienstgemeinschaft bilden, indem sie sich als Verein, als Werk oder auch als Körperschaft organisiert haben oder sich solchen anschließen und von “ihrer Gemeinde” und “ihren Mitgliedern” sprechen.

Solche Gemeinschaften dürfen nicht mit der “Gemeinde des lebendigen Gottes” (1Timotheus 3,15) verwechselt werden, die weltweit existiert und keine Mitglieder kennt, sondern nur Glieder des einen Leibes. Zu diesem Leib gehört jeder, der sich völlig Jesus Christus anvertraut hat und nach Johannes 3 von neuem geboren ist.

Bei der Gemeindewahl überwiegen oft Überlegungen wie z. B. die Wegstrecke, persönliche Kontakte, Sympathien oder Antipathien, respektable Uhrzeiten der Zusammenkünfte usw.

Wer die Heilige Schrift aufmerksam studiert, wird eine Gemeinde nach anderen Kriterien beurteilen, und wer Gemeinschaft mit Christen sucht, sollte sich an biblischen Kriterien orientieren

Zudem ist es notwendig, dass alle Kinder Gottes einer örtlichen Gemeinde sich einzeln und gemeinsam immer wieder neu unter ihre Vergehungen, Nachlässigkeiten und Abweichungen beugen, sie bekennen und ablegen.

In Offenbarung Kapitel 2-3 berichtet der Apostel Johannes von sieben Gemeinden oder Versammlungen.

Es sind sieben verschiedene Gemeinden, weil die Gläubigen alle an sieben verschiedenen Orten wohnten (siehe Offenbarung 2: Die Gemeinde in Ephesus, in Smyrna, in Pergamus usw.).

Im Neuen Testament findet man außer der Ortsbezeichnung keinen anderen Namen für eine Gemeinde. Aus der Sicht der Bibel bilden alle Glieder des einen Leibes Christi eine Einheit, und das gilt auch für alle Gläubigen an einem Ort.

Eine örtliche Gemeinde ist kein Gebäude, keine Organisation, kein System, keine Konfession und keine Sekte. Die örtliche Gemeinde besteht aus allen Kindern Gottes an einem Ort. Sie kommen zum Brotbrechen, zum Gebet, zur Gemeinschaft und zur gegenseitigen Erbauung zusammen (Apostelgeschichte 2,42). Je nach Ort und Anzahl von Kindern Gottes ist es aus Platzgründen nicht immer möglich, dass sich alle an einem einzigen Ort in einer Stadt versammeln. Dann kommen sie an verschiedenen Plätzen und in verschiedenen Häusern zusammen. Doch außer der geographisch bedingten Trennung finden wir keinen Hinweis in Gottes Wort, der uns berechtigt, voneinander getrennte Gemeinden oder Kirchen zu gründen.
Außer dem Ortsnamen findet man auch keine anderen Bezeichnungen. Deshalb ist es nicht biblisch, wenn wir uns nach Menschen oder bestimmten biblischen Wahrheiten benennen. Die Bibel kennt auch keine Zusammenschlüsse örtlicher Gemeinden zu einem Gemeindeverband oder -bund noch eine Landesgemeinde, eine Landeskirche oder gar eine Staatskirche.
Jesus Christus ist der einzige Mittelpunkt einer örtlichen Gemeinde.
Er ist es auch, der die Gemeinden in Offenbarung Kapitel 2 und 3 beurteilt. Aus diesen beiden Kapiteln können wir sehr viel lernen, was die Beurteilung einer örtlichen Gemeinde betrifft.

Folgende zehn Kriterien, die nachfolgend genannt werden, ergeben sich aus dem Lob und dem Tadel des Herrn an die sieben Gemeinden in Kleinasien (damalige römische Kolonie in der heutigen Westtürkei). Wir können dadurch lernen, eine örtliche Gemeinde mit den Augen des Herrn zu sehen, und uns anhand der biblischen Kriterien ein Bild vom Zustand einer örtlichen Gemeinde machen.

Diese Kriterien sollten wir immer wieder an uns selbst anlegen. Sie sollen uns helfen, unsere Abweichungen zu erkennen, als Sünde zu bekennen und uns persönlich und gemeinsam danach auszurichten.

1. Ist das, was geredet wird, nur hohles Gerede, oder arbeitet man gemeinsam geduldig und beharrlich daran, dass Christus geehrt wird und Frucht entsteht? – Jesus Christus anerkennt bei der Gemeinde in Ephesus: “Ich kenne deine Werke und deine Arbeit und dein Ausharren” (Off 2,2).

2. Wie reagiert man auf Sünde? Mit biblischer Gemeindezucht oder mit falscher Toleranz? – Jesus Christus anerkennt in der Gemeinde in Ephesus: “… und dass du Böse nicht ertragen kannst” (Off 2,2).

3. Wie verhält man sich gegenüber falschen Lehren und selbsternannten Autoritäten? – Jesus Christus anerkennt bei der Gemeinde in Ephesus: “und du hast die geprüft, die sich Apostel nennen, und sind es nicht, und hast sie als Lügner befunden” (Off 2,2).

4. Wie steht es mit der Liebe zum Herrn Jesus, zu den Gläubigen und zu Menschen, die sich noch nicht zu ihm bekehrt haben und daher noch verloren sind? – Jesus Christus tadelt bei der Gemeinde in Ephesus: “… ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast” (Off 2,4).

5. Wie steht es mit der Bereitschaft, gemeinsam über aufgezeigte Verfehlungen Buße zu tun? – Jesus Christus warnt die Gemeinde in Ephesus: “Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tu Buße und tu die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust” (Off 2,5).

6. Wie denkt man über das, was dem Herrn verhasst ist? – Jesus Christus anerkennt bei der Gemeinde in Ephesus: “Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hassest, die auch ich hasse … So hast auch du solche, die in gleicher Weise die Lehre der Nikolaiten festhalten” (Off 2,6.15).

7. Hat die Gemeinde ihre Zusammenkünfte den Besuchern angepasst und sich an den Erwartungen Außenstehender orientiert, um attraktiv zu sein, oder nimmt sie in Kauf, Drangsale zu erleiden, als arm angesehen und verlästert zu werden? – Jesus Christus anerkennt bei der Gemeinde in Smyrna: “Ich kenne deine Drangsal und deine Armut (du bist aber reich) und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht” (Off 2,9).

8. Verhält sich die Gemeinde gleichsam abseits vom Geschehen oder mitten in der Welt, ohne sich dabei mit der Welt zu vermischen? – Jesus Christus anerkennt bei der Gemeinde in Pergamus: “Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron des Satans ist; und du hältst fest an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet, auch in den Tagen, in denen Antipas mein treuer Zeuge war, der bei euch, wo der Satan wohnt, ermordet worden ist” (Off 2,13).

9. Nimmt die Frau eine Stellung innerhalb der Gemeinde ein, die ihr nicht zugedacht ist, und übt sie dadurch einen unheilvollen Einfluss aus? – Jesus Christus tadelt in der Gemeinde in Thyatira: “Aber ich habe gegen dich, dass du die Frau Jesabel duldest, welche sich eine Prophetin nennt, und sie lehrt und verführt meine Knechte” (Off 2,20).

10. Beurteilen wir eine Gemeinde mit den Augen des Herrn? – Das Urteil von Menschen, eine lebendige Gemeinde zu sein, kann trügen. Eine Gemeinde ist nämlich dann tot, wenn ihre Werke nicht vor Gott für “vollkommen” befunden werden! – Jesus Christus tadelt bei der Gemeinde in Sardes: “Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebest, und bist tot … denn ich habe deine Werke nicht für vollkommen befunden vor meinem Gott” (Off 3,1.2).

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